Nepal im Januar 2007

Eine schamanische Reise nach Kathmandu/Reisetagebuch

4.1.2007

Namaste!
Ich grüße das Göttliche in Dir!
Der Flug liegt hinter mir, ich werde am Flughafen abgeholt, es ist 22 Uhr abends, wir fahren durch die drei Mill. Stadt, die Straßen sind menschenleer, nur eine Kuh steht mitten auf der Straße, bellende Hunde, Vollmond. Ich horche, spüre, fühle mich sofort heimisch.
Das Shamanic Studies and Research Centre liegt am Stadtrand; ich bin hierher gekommen, um 4 Wochen mit Schamanen/innen zu leben und von ihnen zu lernen. Ich kenne sie seit 2001 aus Hamburg .

Ich tauche in eine völlig andere Wirklichkeit ein.

5.1.2007

6.00 Uhr morgens im Innenhof des Hauses, ein Feuer brennt, einige Familienangehörige sitzen schon ums Feuer und trinken Tschaitee. Ich werde von allen sofort herzlich aufgenommen. Mohan Rai, Schamane und Leiter des Zentrums ist schon eine Stunde auf und räuchert gerade das Haus und den Hof mit schützendem Räucherwerk.

 

Heute lerne ich Danashing Tamang kennen, "the Warrior of the shamans", wie er genannt wird; er heißt mich an einem nahe gelegenen Tempel mit Mantren und Segnungen willkommen.

Nach einem intensiven Heiltraum der ersten Nacht schenkte mir Kumari, die Frau von Mohan Rai ein traditionelles Gewand, was ich auf meiner Exkursion in die Berge tragen soll.

7.1.2007

Unterwegs in die Berge zumWohnort von Danashing Tamang, drei Stunden Autofahrt. Ich verbringe dort eine Woche, um von ihm über Totenkulte und deren schamanische Kräfte zu lernen.

Wir verbringen zwei Tage und Nächte auf einem Totenkultplatz von Schamanen und Lamas, die in dem Gebiet gelebt haben, auf 2.500m Höhe, fastend, trommelnd, singend, tanzend.
Ich komme in intensiven Kontakt mit den Seelen der Verstorbenen, erweise meinen Respekt durch Opfergaben und Präsenz. Ich bekomme Botschaften der Totengeister:

Sei einfach und bündele deine Energie!

 

Auch für unseren Kulturkreis ist es wichtig, den verstorbenen Ahnen/innen mehr Respekt zu erweisen. Mohan Rai sieht für uns Europäer/innen die Aufgabe, die Hexen des Mittelalters zu ehren, sie in Ritualen aufzusuchen und für ihre rastlosen Seelen zu beten.

Mich berühren die tiefe Intensität der Rituale, die Achtsamkeit und die Gemeinschaft, die ich erfahre. Ich bin ganz in meiner Kraft.

 

In den folgenden zwei Wochen geht es noch zu einem andern Naturheiligtum in der Nähe von Kathmandu, Shivapuri, ein Nationalpark, wo wir Tage und Nächte wachend, trommelnd und Mantren singend verbringen.

Die Trommel ist für die Schamanen/innen von besonderer Bedeutung, da sie mit ihr die Geistwesen rufen und in andere Welten reisen. Wenn sie darauf einen heiligen Rhythmus schlagen, werden sie geheilt und ihr Geist gereinigt. Eine Nacht verbringen wir in einer Baumhöhle eines 300 Jahre alten heiligen Baums, der spezielle schamanische Kräfte in sich birgt. In tiefer Trance begegne ich Bären und Totengeistern von Menschen, die früher in der Höhle lebte.

 

Mein Alltag ist beseelt, jede Handlung ist rituell eingebunden; ich fühle mich verbunden, im Vertrauen und sehr kraftvoll aufgeladen. Kommunikation ohne Sprache – tiefer Seelenkontakt zu den Naturkräften.

Zwischendurch verbringe ich immer wieder Zeit in Kathmandu mit Mohan Rai, der mich vieles theoretisch und praktisch lehrt über die schamanische Kosmologie in Nepal. Mit Parvati Rai und Maile Lama, Schamaninnen des Zentrums, unternehme ich  eine wundervolle Wanderung zu besonderen Bäumen und Pflanzen in der Umgebung, sie singen und räuchern an best. Plätzen und verbinden sich mit den Naturkräften. Parvati gehört der Kiratitradition an und gilt als die höchste schamanische Priesterin in Kathmandu, sie führt unter anderem Geburts- und Totenrituale durch.

25.1.2007

Ich verbringe noch mal einige Tage in den Bergen bei Danashing Tamang für eine weitere Initiation mit den Totengeistern. Die Seelenerfahrung ist dieses mal noch umfassender, ich erfahre tiefe Trancezustände, Sterben, Loslassen und Wiedergeburt.

 

Um den Totengeistern Respekt zu erweisen, wird  ein Hahn geopfert. Es bewegt mich sehr, wie respektvoll das Tier behandelt wird, mit Mantren besungen und besänftigt. Ich halte den Hahn auch zehn Minuten in meinen Händen und kommuniziere mit ihm, er ist ganz ruhig geworden.
Nach seinem Tod nimmt Sete, der Sohn Danashings,  das Tier und zerlegt es mit seiner kleinen Tochter; eine Stunde später ist das Tier im Kochtopf – der Kreislauf von Leben und Tod.

 

Die Schamanen/innen in Nepal sehen sich als Vermittler zwischen Mensch und Natur, sie gleichen Störungen aus, heilen mit der Kraft ihrer geistigen Verbündeten, stellen Harmonie wieder her und schützen die Gemeinschaft. Sie leben in einer strengen Disziplin und sehen sich immer als Lernende und Lehrende zugleich.