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Die Bedeutung schamanischen Heilens für unsere
heutige westliche Welt

Es ist kein Zufall, daß sich gerade in unserer krisengeschüttelten Zeit das alte schamanische Wissen wieder ausbreitet und sich immer mehr Menschen für diesen Heilungsweg öffnen.
Die arktische Eisdecke schmilzt, Tier- und Pflanzenarten ändern sich, Mutter Erde bäumt sich auf, wehrt sich gegen die globale Zerstörung, reagiert mit Vulkanausbrüchen, Regenkatastrophen, Hitzetoten, Seuchen, Wüstenbildung – das Ergebnis menschlich weltweiter Lebensformen aufkosten unserer Naturressourcen.

Aus der Ernüchterung durch die Grenzen der Schulmedizin entstand der große Wunsch nach holistischer, ganzheitlicher Medizin. Unsere westliche Gesellschaftsform hat einen Keil zwischen Geist und Körper, Kultur und Natur getrieben. Inzwischen erkennen viele Menschen, daß die tote Welt der Herrschaft, der Technologie, des Massenkonsums weder unser inneres Leben noch das Leben von Mutter Erde erhalten kann.

Es ist höchste Zeit für unsere persönliche Heilung, unser Leben wieder mehr in Einklang mit Mutter Erde zu bringen. Die Wiedergeburt des Schamanismus stellt uns vor die Aufgabe, unsere eigenen schamanischen Wurzeln zu beleben, unsere Geschichte zu heilen und uns wieder mit unseren Ahnen/innen zu verbinden.

Der schamanische Weg der Heilung ist der älteste Weg, mit dem Menschen versucht haben, mit der Schöpfung in Verbindung zu treten. Die Ursprünge reichen ca. 40-50.000 Jahre in die Steinzeit zurück. Auf der ganzen Welt gibt es Zeugnisse schamanischer Traditionen und den Tatbestand einer kulturübergreifenden, ähnlichen Kosmologie des Universums.

Der Begriff Schamanin/Schamane leitet sich ab von dem russischen Begriff "saman", aus dem Volk der Tungusen, die als Rentierhirten am Baikalsee lebten. Das tungusische Wort saman bedeutet "wissen, sehen", eine/r, die, der weiß, sieht. Der Anthropologe Shirokoroff, einer der ersten Erforscher der Tungusen, stellt fest:
In allen tungusischen Sprachen wird der Begriff saman auf Menschen angewandt, die den Umgang mit Geistern beherrschen. Saman bedeutet auch sich erhitzen, brennen, mit Feuer und Hitze arbeiten. Mircea Eliade bezeichnet die Schaman/innen als Meister/innen der Ekstase, abgeleitet vom griechischen Wort "ekstasein" = heraustreten aus dem normalen Bewußtseinszustand. Auch die englischen Worte "witch" und "wizard" = Hexe und Zauberin stammen aus derselben indogermanischen Wurzel und bedeuten "sehen" und "wissen".

In der Geschichte Großbrittaniens war "witchcraft" ein schamanischer Weg.
Tiefes Wissen, die Fähigkeit mit der Energie des Feuers zu arbeiten und visionäres Erleben sind in sich völlig wertfrei. Eine Schamanin ist eine Frau, die diese Fähigkeiten zum Heilen nutzt. Sie reist in verschiedene Bewußtseinszustände, in denen Reisen in andere Welten, Vorherwissen, Sehen und Heilen auf Entfernung und Kommunikation mit Verstorbenen möglich und natürlich sind.

Der schamanische Weg der Heilung ist ein Weg des Wissens, das durch die Erfahrung der vielen Facetten des Lebens, durch Rituale und Zeremonien, durch Gebet und Meditation, durch intensiven Kontakt zu den Naturkräften erworben wird. Es ist ein lebenslanger Prozeß.

In der schamanischen Arbeit erkenne ich an, das alles Leben, Menschen, Tiere, Pflanzen, Mineralien, Bäume, Luft, Wasser, Feuer und Erde eine kommunikative Lebenskraft und Seele besitzt. Mit diesen Kräften verbinde ich mich im Ritual und bitte um Unterstützung bei meiner Arbeit. Ich werde zum Kanal dieser Kräfte und Heilung wird initiiert. Dieser Kontakt wird dauerhaft gehalten.

Über Jahrtausende entstanden viele Methoden schamanischen Heilens: Trance, Gebete, Trommeln, Diagnoseformen, Seelenrückholung, Orakel, Anrufungen, Räucherungen, Tänze, Gesänge, Schwitzhütten, Rituale für alle Anlässe des täglichen Lebens, Totenzeremonien, Schutzrituale, Kräuterkunde.

Für mich geht es darum, uns mit unseren eigenen europäischen schamanischen Traditionen zu verbinden, sie zu erinnern und in eine Form zu bringen, die der modernen, westlichen Welt angemessen ist. Dieses Wissen zu praktizieren, erfordert jahrelange Übung, Lernen, Liebe, Forschung und Hingabe.

Für 1 Jahr arbeitete ich als freie Mitarbeiterin 2001 im Völkerkundemuseum Hamburg mit und stellte in Gesprächen mit Museumsbesuchern/innen fest, wie stark die Sehnsucht nach spiritueller Einbindung und schamanischem Wissen ist. Viele Menschen beklagen, wie groß die Scharlatanerie in diesem Bereich ist, wie verunsichert sie sind, angefangen bei unseriösen Heilversprechen, absurden Honoraren , angstauslösenden Zukunftsvoraussagen; Menschen, die Hilfe suchen, weil sie sich z. B. energetisch besetzt fühlen. Hier sollte jede/r kritisch genug sein, zu prüfen, wen er/sie vor sich hat, z. B. zu fragen, wer sie ausgebildet hat, ob sie eine medizinische Ausbildung haben, ob sie niedergelassen sind.

Die schamanische Heilungsarbeit hat dort ihren Platz, wo die Menschen immer mehr an seelischen Krankheitszuständen leiden; der Wunsch nach Begleitung über die Psychotherapie hinaus wächst immens. Die Erfahrung zeigt, daß psychotherapeutische Begleitung besonders wirksam in der Kombination mit schamanischen Heilritualen wird.

Mein Weg führte mich 2001 zu den Schamanen/innen Nepals, Mohan Rai, Parvati Rai, Maile Lama, Danashing Tamang, die mich seitdem liebevoll und weise begleiten, ausbilden und ich immer wieder die Ermutigung bekomme: Do it in your own way: arbeite auf Deine Weise. Das heißt für mich: die traditionellen Lehren des Schamanismus übersetzen, in meine Arbeit integrieren, eine Brücke bauen, Verbindung herstellen zwischen dem alten Wissen und den notwendigen Wandlungsschritten für uns heute.

An dieser Stelle möchte ich Euch, meinen Lehrer/innen meinen großen Dank für all die Liebe, das Wissen und die Weisheit aussprechen.
I want to thank you for all the good spirits, your wisdom and your love!
In den schamanischen Gemeinschaften in Nepal wird die Schamanin als Kriegerin gesehen, eine, die das Leben, die Gemeinschaft beschützt.
Ihr Gruß ist Namaste = ich grüße das Göttliche in Dir!

Empfehlenswerte Literatur zu Schamanismus:

Mohan RaiMundhum – Von Göttern, Geistern und Schamanen aus dem Himalaya
Elena Joy ParkerCurandera
Sandra IngermannAuf der Suche nach der verlorenen Seele
Sandra IngermannDie Heimkehr der Seele
Felicitas GoodmanWo die Geister auf den Winden reiten
Malidoma SomeDie Kraft des Rituals
Joan HalifaxDie andere Wirklichkeit der Schamanen
Holger KalweitDie Welt der Schamanen
Jose und Lena StevensZur Quelle der Kraft
Nana NauwaldDer Flug des Schamanen
Nana NauwaldSchamanische Rituale der Wahrnehmung
Olga KharitidiDas weiße Land der Seele
Serge Kahili KingDer Stadt-Schamane
Clemens Kuby Unterwegs in die nächste Dimension
Oriah Mountain DreamerDie Einladung



Schamanismus in Hamburg | Leonie Gaul |
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Schamanische Weisheit